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Eine Kirche ist in Haselünne schon im 10. Jahrhundert nachweisbar. Sie war aus Holz und wurde um 1200 durch einen Steinbau ersetzt, dessen Grundriss bei einer grundlegenden Restaurierung gefunden wurde. Die heutige St. Vincentius- Kirche, eine hohe, gotische, dreischiffige Hallenkirche, wurde im 15./beginnenden 16. Jahrhundert errichtet. Sie überrascht durch ihren großartigen Stil; ihre Höhe zeigt Pracht und Schönheit. Der im romanischen Stil gefertigte Taufstein aus dem 12. Jahrhundert gehört zu den zahlreichen Kunstwerken der Kirche.

Die erste Haselünner Kirche wird, wie die meisten Kirchenbauten Deutschlands, ein einfacher Holzbau gewesen sein. Nicht auszuschließen ist auch, dass die erste Kirche nach Art der irischen Missionszellen aus Findlingen erbaut war. Der steinwerkartige Kern des heutigen Kirchturms und sein rechteckiger Grundriss lassen diese Vermutung zu. Urkundlich wird eine Kirche in Haselünne zum ersten Male 1107/11 erwähnt.
Ein Neubau erfolgte um 1200, nachdem die Grafen von Ravensberg in den Besitz von Haselünne gelangt waren.
Der Grundriss dieser alten ravensbergischen Kirche ist noch in ihrem heutigen Erscheingungsbild zu erkennen. Das schmale nördliche Seitenschiff spricht für eine dreischiffige Basilika mit hohem Mittelschiff und niedrigen Seitenschiffen.
An der Westseite wird von Anfang an ein Turm gestanden haben, zumal die Kirche mit dem Friedhof, der angrenzenden Burg und dem befestigten Haupthof gleichzeitig eine große Wehranlage darstellte.

Internet: www.pghl.de


 

In der Folgezeit wurden mehrere Erweiterungsbauten vorgenommen. Unterhalb des monnichschen Epitaphs befindet sich ein wappengeschmückter Gedenkstein, dessen in gotischen Buchstaben gehaltene lateinische Inschrift - auf deutsch und ergänzt – lautet: „Das Schicksal nahm hinweg den Herbord Monnich, als die Chronik tausend dreihundert sechs und siebenzig zu schreiben befahl, und er liegt dort, wo die Tür aufgerichtet wurde, weitab von der Schwelle begraben.“

Herbord von Monnich stammte aus dem Burgmannsgeschlecht, das in Haselünne ansässig war, er war Pfarrer der Vincentius-Kirche. Manche Forscher vermuten aus dieser Inschrift, dass er durch ein Unglück beim Kirchenbau im Jahre 1376 zu Tode gekommen ist.
Der entscheidende Neubau der Pfarrkirche erfolgte von 1450 – 1500. Man benutzte die alten Fundamente des nördlichen Seitenschiffes und an der Nordseite des Chores. Der Kirchenbau wurde ausschließlich nach Süden verbreitert. Die Arkade des nun wesentlich breiteren Mittelschiffes stößt seitdem nicht mehr organisch gegen die südliche Turmwand, sondern endet ohne den an sich notwendigen Strebepfeiler vor der Westwand der Kirche. Die Unregelmäßigkeit des Grundrisses schadet der ästhetischen Raumwirkung nicht. Die schlanken Säulen und die spitzbogige Führung der Gurtbögen bewirken ein deutliches Streben in die Höhe. Klar prägt sich der Grundgedanke der Gotik aus: Hinauf zu Gott.

Die drei Schiffe sind gleich hoch. Dadurch entsteht ein sehr übersichtlicher, klar gegliederter Raum, eine einheitliche Halle bei der die einzelnen Schiffe keine in sich getrennten Räume mehr bilden, sondern sich zusammenschliessen. Durch die gleiche Höhe der Schiffe kann die Beleuchtung nur von den Seitenschiffen her erfolgen, was wesentlich zur Einheit des Gesamtraumes beiträgt. Das Mittelschiff ohne eigene Lichtquelle wird zum Erkennungsmerkmal für den Bautyp der spätgotischen Hallenkirche Westfalens.

Die drei Schiffe sind durch vier Joche gegliedert, deren Tiefe nach Osten gering abnimmt (7,20 m bis 6,95 m). Das nördliche Seitenschiff besitzt etwa die halbe Breite (4,90 m) des Mittelschiffes (9,70 m), während das südliche Seitenschiff etwas mehr als zwei Drittel (6,70 m) einnimmt. Die Joche des Mittelschiffes sind querrechteckig, die des nördlichen Schiffes sind längsrechteckig und die des südlichen haben fast quadratischen Grundriss. An das Hauptschiff schliesst sich im Osten der dreiseitig abschliessende Chor mit seinem Fünfachtelschluss an. Sechs freistehende, etwa sieben Meter hohe Säulen und je zwei Wandsäulen an den Chor- und Turmecken tragen die Sterngewölbe des Mittelschiffes und die Kreuzgewölbe der Seitenschiffe. An den Längsseiten und im Chor ruhen die Gewölbe auf Konsolen. Im Chor sitzen etwa 50 cm lange Wandsäulchen darunter.
Die Säulen haben achteckige Kämpfer, die aus Hohlkehlen und Rundstäben bestehen. Auch die Sockel sind achteckig. Breite Scheidbogen verbinden die Stützen in Längsrichtung miteinander.
Die gotischen Fenster sind dreiteilig und haben überwiegend Fischblasenmaßwerk.


Der älteste Teil der Kirche ist der Turm. Mit seinem inneren Mauerwerk aus Findlingen und Raseneisenstein geht er wahrscheinlich in das 12. Jahrhundert zurück. Das 33 m hohe Mauerwerk ist durch vier Gurtgesimse gegliedert. Die Mauern haben eine bedeutende Stärke, in der die Treppe ausgespart ist. An der Westfront sind das Turmportal und das hohe Maßwerkfenster darüber in einer großen, reich profilierten Nische zusammengefasst, eine Stilbildung, die über den emsländischen Raum hinaus in die Niederlande und den europäischen Küstenbereich an Nord- und Ostsee weist.
Merians Kupferstich aus dem Jahr 1647 zeigt den Turm noch mit niedrigem Walmdach. Erst 1860 wurde die Turmspitze in der heutigen Form aufgerichtet. Damit hat der Turm eine Gesamthöhe von 62 m. Um das Jahr 1500 war mit dem Abschluss der Arbeiten am Turmbau der Kirchenbau vollendet. 35 verschiedene Steinmetzzeichen sind an der Kirche gezählt worden, 35 Steinmetze haben wohl 50 Jahre am Kirchenbau gearbeitet.
1503 zerstörte ein Blitzstrahl einen Teil des Chores. Auf dieses Unglück deutet eine Inschrift draussen an dem nordöstlichen Stebepfeiler hin „Restauratus est chorus anno MCCCCCIX (Der Chor ist im Jahre 1509 wieder aufgebaut worden).

In den Jahren 1976/77 ist die Pfarrkirche St. Vincentius grundlegend restauriert worden und in neuem Glanz erstanden. Eine weitere Innensanierung wurde im Jahre 1998 durchgeführt.
Nach Fertigstellung der Innensanierung war es noch ein dringliches Anliegen, zur 500-Jahr Feier der St.-Vincentius-Kirche im Jahr 2000 auch den Kirchplatz neu zu gestalten.
Grundprinzipien der Neugestaltungen waren, den Kirchplatz einerseits in das allgemeine Stadtbild durch Wahl der Materialien einzugliedern, ihn aber andererseits als einen Ort der Ruhe und Besinnung in gewisser Weise vom allgemeinen Verkehr abzugrenzen. Dies ist erreicht worden durch die bereits vorhandene Kirchhofsmauer.
Darüber hinaus wurden im Zuge der Neugestaltung die Grünflächen großzügiger ausgelegt. Innerhalb der Grünflächen wird in 2 Bereichen der früher vorhandene Friedhof durch Andeutung von Gräbern wieder in das Gedächtnis gerufen.
Desweiteren wird durch die Andeutung alter Bebauungen in Form von Mauerresten und Darstellungen im Pflaster die frühere Nähe der Bebauung zur Kirche verdeutlicht. Hervorgehoben werden sollen hier die Häuser der Lateinschule und des sog. Beginenhauses - einer früheren Mädchenschule - die einen unmittelbaren Zusammenhang mit der Kirche haben.
Ebenso sollen innerhalb des Pflasters die Eingänge durch den Einbau von Granitmaterialien besonders hervorgehoben werden.
Durch die besondere Form der Pflasterung im Bereich zwischen Kirche und ehemaliger Küsterwohnung wird die Atmosphäre eines in sich geschlossenen Platzes zur Versammlung der Menschen erreicht.

 

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