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An der südlichsten Grenze des Hümmlings finden wir die Ortschaft Westerloh. Ein Großsteingrab an Westerlohs Ortsgrenze aus der Megalithkultur (um 3000 v. Chr.) läßt auf eine sehr frühe Besiedlung dieser Region schließen.


Der Ortsname entstammt wahrscheinlich der Tatsache, daß die ersten Westerloher am westlichen Rand des Waldgebietes zwischen Westerloh und Lähden siedelten. Im ursprünglichen Sinn bezeichnet Loh eine Waldfläche, aber vielfach auch Lichtungen, die auch künstlich geschaffen sein konnten. Es entstand Westerloh.
Urkundlich wurde Westerloh 1150 zum ersten Mal erwähnt.
In dem Kommunikanten - und Bevölkerungsregister des Amtes Meppen unter Bischof Franz-Wilhelm von Wartenberg (1625-1661) finden wir 1652 für die Bauerschaft Westerloh 44 Personen, davon 10 unter 14 Jahre.
Im Status Animarum von 1749 werden für die Bauerschaft "Wester Loe" 12 Familien, davon 5 Vollerben und 7 Heuerleute, insgesamt 84 Personen, davon 27 unter 14 Jahre aufgeführt.
Nach dem Verzeichnis der im Amt Meppen vorhandenen Seelen, vom Jahr 1807 gehörte Westerloh zum Kirchspiel Haselünne und man zählte 81 Seelen.
Im Jahre 1858 gab es in Westerloh 26 Wohngebäude sowie 148 Seelen, mit 76 männlichen und 72 weiblichen Personen. Die gleiche Anzahl Wohngebäude gehörten 1861 zu Westerloh mit 138 Seelen, hiervon 72 männliche und 66 weibliche Personen.
1808 gab es in Preußen die Bauernbefreiung, d. h. Beendigung der Leibeigenschaft.
Einige Jahre später, 1846 wurde per Ablösungsgesetz in Haselünne der große Zehnt beseitigt. ( Die Abgabe des Zehnten geht auf das Jahr 785 zurück und wurde von Karl dem Großen eingeführt. Es war dies eine Abgabe, die den zehnten Teil eines in Betracht kommenden Ertrages entsprach. Der Feldzehnt wurde von den Halmenfrüchten, vom Öl, Flachs und Wein erhoben. Der kleine Zehnt kam vom Gemüse und Obst. Der Blutzehnt von den Tieren und Tiererzeugnisse: Milch, Butter, Eier und Honig.) So hatte "von der Ahe zu Westerloh" 10 Stüber zu entrichten. Als Ablösesumme zahlte v.d. Ahe 15 holländische Gulden.
Der Landtag von Niedersachsen verabschiedete 1852 das Ablösegesetz, welches beinhaltete, daß die Bauern sich von den bisherigen Abgaben befreien ( z.B. Pförtnergeld in Haselünne ) konnten. Durch Zahlung eines einmaligen Betrages war man von den Lasten befreit. So kam es 1854 zur Ablösung der Pförtnergarben, welche die Stadt Haselünne jedes Jahr an Jacobi von den Pflichtigen abholte.


Zur gleichen Zeit fand die Markenteilung statt, d.h. die sich im Eigentum der Gemeinde befindlichen Ländereien wurden an die Ortsansäßigen verteilt.
Auch die Auswanderungswelle nach Amerika erfaßte Westerloh. So finden wir im Auswandererverzeichnis der Stadt Haselünne, daß in den Jahren

1837
3 Personen
1839
2 Personen
1840
1 Person
1845
8 Personen
1841
2 Personen
1847
4 Personen
1853
2 Personen
1856
3 Personen
1857
6 Personen
1860
9 Personen
1928
1 Person
1929
1 Person

Westerloh und Westerlohmühlen in Richtung Amerika verließen. Ferner wanderte 1 Familie 1858 nach Ungarn aus.
Über das Schulwesen in Westerloh läßt sich folgendes berichten.
Bis zum Jahr 1824 werden lernbegierige Kinder aus Westerloh die Schule in Haselünne besucht haben. Später unterrichtete ein Sohn des Hofbesitzers Renzen die Schüler. Er war wohl der erste Lehrer von Westerloh. 1828 wurde Lehrer Schuhmacher sein Nachfolger. Er stammte auch aus dem Dorfe. Nach seiner Eheschließung wurde ihm eine Wohnung in einem ehemaligen Schafstall eingerichtet. Jetzt erhielt die Bauerschaft ein eigenes Schulgebäude, ein Fachwerkhaus.
In der Schulchronik wird von der Einweihung einer Schule vom 8. Januar 1936 berichtet. In diesem Schuljahr beträgt die Schülerzahl 58 Schüler. 34 Mädchen und 24 Jungen.
Nach dem zweiten Weltkrieg stieg die Kinderzahl durch den Flüchtlingszustrom erheblich an. So waren es im Schuljahr 1946 82 Schüler.
Im Jahre 1963 wurde im Zuge der Zentralisierung das 7. 8. und 9. Schuljahr nach Berßen abgeschult. Ab 1965 besuchen die Kinder ab Klasse 7 die Mittelpunktschule in Haselünne. Mit dem Beginn des Schuljahres 1979 ist der Start für die Orientierungsstufe für Schüler ab Klasse 5. Es wurden 16 Kinder in die "OS" nach Haselünne geschickt.


Der 1. und 2. Weltkrieg forderte auch aus Westerloh/Westerlohmühlen seine Opfer. So beklagt man für den 1. Weltkrieg vier und für den 2. Weltkrieg 25 Gefallene. Aus mündlicher Überlieferung und Berichten der Schulchronik entnehmen wir, daß der Ort im 2. Weltkrieg in keine direkten kriegerischen Handlungen verwickelt war. Jedoch schreibt der Schulchronist von starken Plünderungen unmittelbar nach Kriegsende und von einem schweren Raubmord. Dieser habe sich in Vormittagsstunden des 21. September 1945 zugetragen; vier Verbrecher drangen in ein Haus ein und töteten sechs Personen, danach raubten sie viele Kleidungsstücke. Die Täter wurden nicht gefaßt.
Auch ein kulturelles Leben fand und findet in Westerloh statt, so wurde von den Bewohnern des Dorfes besonders das Laienspiel gepflegt. Man spielte auf Bauerndielen und nach dem Neubau des Jugendheimes 1957 in demselben. Ferner fanden Gruppenabende und Erntedankfeste statt, auch andere Veranstaltungen erfreuten sich großer Beliebtheit.
Auch ein mitgliederstarker Schützenverein prägte das Dorfleben von Westerloh und Westerlohmühlen. So wurde der Schützenverein bereits 1904 gegründet. Auch die Schießsportgruppe war über die Grenzen des Altkreises bekannt.
Westerloh gehörte von jeher zur Pfarrei Haselünne. In der großen Pfarrkirche wurde man getauft, dort wurden die Ehen geschlossen und schließlich fand man seine letzte Ruhestätte auf dem dortigen Friedhof. Die schlechten Wegeverhältnisse machten in früheren Jahren den sonntäglichen Kirchenbesuch sehr schwer oder gar unmöglich. So wuchs der Wunsch nach einem eigenen Gotteshaus.
Nach dem 2. Weltkrieg bot sich die Gelegenheit, bei Auflösung des ehemaligen Reichsarbeitsdienst-Lagers, den noch vorhandenen Aufenthaltsraum zu erwerben. Nach langwierigen Verhandlungen mit der britischen Militärbehörde konnte mit dem Umbau der Baracke begonnen werden. Am 13. Juni 1948 weihte Pfarrer Schepers aus Haselünne die Kapelle ein, die unter dem Schutz des heiligen Antonius gestellt wurde. So diente die ehemalige RAD-Baracke bis zum Ende der achtziger Jahre als Gotteshaus.
Nachdem über lange Jahre hinweg der Plan für eine neue Kappelle reifte, wurde am 13. Juni 1988 in unmittelbarer Nähe der alten Kapelle der Grundstein für ein neues Gotteshaus gelegt. Am 24. April 1989 fand die Glockenweihe statt. Am 4. Mai 1989 konnte die Kapellengemeinde St. Antonius Westerloh endlich in ihrer neuen Kirche den ersten Gottesdienst feiern. Der Architekt des Sakralgebäudes war  Hubert Radke aus Haselünne. Es handelt sich um einen Achteckbau, mit einem um das Bauwerk herumführenden Prozessionsweg, der den "Glaubensweg Mariens ", mit sieben aus Sandstein gefertigten Stationen zeigt. Geschaffen wurden die einzelnen Kunstwerke vom Bildhauer Joseph Krautwald aus Rheine. Gerade dieser Prozessionsweg hat sich zu einem"Magnet" für viele Gläubige aus Nah und Fern entwickelt.


St. Antonius Kirche Westerloh

Ohne industrielle Ansiedlung ist Westerloh bis heute ein reines Bauerndorf geblieben. Allerdings ist auf dem Gebiet des sogenannten Fuhrenkamp ein schmuckes Neubaugebiet entstanden. Erbaut wurden die Häuser von den " Nachkommen " der Dorfbewohner, die ihren Broterwerb außerhalb Westerlohs nachgehen.
Nachfolgend noch einige statitische Angaben über die Bevölkerungsentwicklung Westerlohs/ Westerlohmühlens.
So zählte man im Jahre

1900
153 Einwohner
1925
197 Einwohner
1939: 478 Einwohner
(die hohe Zahl ist bedingt
durch das Reichsarbeitsdienstlager)
1955
256 Einwohner
1965
275 Einwohner
1972
305 Einwohner
1997
332 Einwohner

Ortsvorsteher ist zur Zeit Alexander Schulte.
Nun kommen wir zum Ortsteil Westerlohmühlen, dieser hat geschichtlich die gleiche Entwicklung durchlaufen wie Westerloh, jedoch mit einer entscheidenden Besonderheit, die der Ortsname bereits ankündigt. Gemeint ist die Mühle von Westerlohmühlen. Erstmalig wird eine Wassermühle in Westerloh 1275 im Oldenburger Lehnregister erwähnt.
Genauere Angaben über die Eigentumverhältnisse finden wir im Viehschatzungsregister des Jahres 1545. Es gab vier Vollerben, darunter Hermann von Westerloh als Eigentümer einer " Watermolen "
Im Status Animarum von 1749 werden 7 Familien mit insgesamt 42 Personen, davon 14 unter 14 Jahre genannt. Weiter erfahren wir hier, daß sich das Mühlengut wie folgt gliedert: neben der Watermolen, einer Kornwassermühle, am linken Raddeufer, war an der rechten Seite eine Papiermühle dazugekommen. Die Kornwassermühle wurde von Otto Brinck, die Papiermühle von Gerard Henrich Lohe gepachtet. Ferner war noch ein Wirtshaus und eine Stellmacherei vorhanden. Der Eigentümer Franz Martels verkaufte 1780 die Papiermühle an den bisherigen Pächter und Papiermacher Gerh. Heinr. Lohe.
Dieser verkaufte wiederum 1782 an Arend Tening. Gerd Brink, Müller zu Dankern, kaufte die Kornmühle 1780. Noch im selben Jahr ging die Kornwassermühle an Wilke Brinkmann, der auch 1795 die Papiermühle erwarb und sie zu einer Öl- und Walkemühle umbaute. Wilkens Tochter Anna-Maria heiratete 1806 den Müller Joan Bernh. Brunefort, der den Namen Brinkmann weiterführte. Die Ölmühle arbeitete bis etwa 1925, die Kornwassermühle wurde nach der Elektrifizierung im Jahre 1938 überflüssig.
Westerlohmühlen ist auch heute noch eine reine bäuerliche Ansiedlung ohne Neubausiedlungen geblieben. Noch eine Besonderheit von dem nicht eigenständigem Westerlohmühlen ist, dass vier Familien mit zur Zeit 17 Personen zu Hülsen, drei Familien mit z. Zt. 21 Personen zu Westerloh und schließlich zwei Familien auf der nördlichen Seite der Radde zu Kl. Berßen gehören.
Weitere Informationen auf der Homapage:    www.westerloh-dorf.de

 

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