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Auf halbem Wege zwischen Haselünne und Meppen liegt auf einem Schwemmsandrücken der unteren Haseniederung der Ort Lehrte. Die Geschichte des Dorfes wurde von jeher durch die Hase geprägt.

Ihr launisches Hochwasser lockte die Menschen mit fruchtbarem Schlick und vollen Reusen; aber es blieb bis zur Regulierung der Hase um die Mitte unseres Jahrhunderts eine ständige Bedrohung der menschlichen Wohnungen und Ernten und ein hartnäckiges Verkehrs - und Entwicklungshindernis.

St Laurenzius in Lehrte

Mit Namen "helerithi" wird Lehrte erstmals im 10. Jahrhundert unter den zu Pfarre Bokeloh gehörenden Gemeinden erwähnt. Anlaß dazu ist die Weihe einer Kirche in Bokeloh durch Bischof Dodo von Osnabrück (da das Jahr der Kirchweihe nicht angegeben ist und nicht geklärt ist, ob Dodo I. 919 - 936 oder Dodo II. 978 - 996, die Weihe vornahm, ist eine genaue Datierung der Ersterwähnung nicht möglich).
"Helerithi" läßt sich in Anlehnung an Namensforschungen von Hermann Abels vielleicht mit "holunderbestandener Abhang" oder "Weidehügel" übersetzen.
Als älteste menschliche Siedlung wurde 1936 einige km nördlich im Dörgener Moor eine Wohnhöhle von Rentierjägern aus der Zeit um 10 000 v.Chr. nachgewiesen. Andere vorgeschichtliche Funde im Heimatmuseum Haselünne bestätigen den Aufenthalt steinzeitlicher Menschen im Lehrter Raum. Ausgrabungen am "Hexenberg" einem im Zuge der Haseregulierung um 1960 eingeebneten flutfreien Hügel nördlich des Ortskerns, weisen (nach Dr. E. Schlicht), daß hier im zweiten und dritten Jahrhundert n. Chr. eine Fischerfamilie gewohnt hat. Wegen des Mangels an hochwasserfreien Siedlungsplätzen entstanden zur Altsiedelzeit in der Haseniederung nur kleine Siedlungseinheiten. Ernst Giese nennt Einöd - oder Doppelhöfe bzw. kleinere Hofgruppen als typische Siedlungsformen. Ernährungsgrundlage der Siedler war durch viele Jahrhunderte die Weidewirtschaft. 1365 während der Tecklenburger Fehde sollen nach einer Anzeige des Drosten Stephan von Düthe allein in Lehrte nicht weniger als 92 Kühe und 140 Schafe geraubt worden sein.


Die ersten Urkunden, die mehr Licht in die frühe Dorfgeschichte bringen, beziehen sich auf mittelalterliche Lehns - und Zinsverhältnisse. Alte Lehrter Bezeichnungen wie "Täi" (Zehntland?), "Täischüre" (Zehntenscheune?) und "Täigerts" (Zehnteintreiber?) könnten auf den Lehrter Zehnten zurückgehen. Im 14. Jahrhundert tauchen als Zehntherren von Lehrte in den Lehnsbüchern der Bischöfe von Osnabrück die Ritter Swartewold (Haselünne) und von dem Bele (bei Herzlake) auf. Sie werden 1403 von Johann von Langen alias "Kreyenribbe", einem Burgherr zu Kreyenborg, abgelöst. Die Kreyenborg wurde etwa um die Wende zum 15. Jahrhundert 2 km nordwestlich des Ortskerns von Lehrte in einem Hasebogen gegründet. Sie war weit über das Dorf hinaus von regionaler Bedeutung. Die Burgherren von Langen mit Schafschere im Wappen gehörten schon im 15. Jahrhundert zu den begütertsten, einflußreichsten und gefürchtetsten Vertretern des Landadels an Hase und Ems. Bis zu 50 eigenhörige Bauernfamilien und rund 20 Zehntbauerschaften hatten zeitweise den Herren von der Kreyenborg Abgaben und Dienste zu leisten. Zwei Osnabrücker Bischöfe mußten bei ihrer Wahl versprechen, die Bürger vor den berüchtigten fehdelustigen von Langen zu schützen. Auch mit der Stadt Meppen, deren Corveyer Haupthof den von Langen 1392 übertragen worden war, kam es zu gerichtlichen Auseinandersetzungen. In Haselünne soll der Westerholtsche Burgmannshof bereits im 15. Jahrhundert von Rolf von Langen bewohnt gewesen sein. 1816 bzw. 1836 kamen die durch Verschwendung, Prozeßsucht und Kriegsfolgen verschuldeten Güter Ost -und Westkreyenborg unter den Hammer. Sie wurden von 12 ortsansässigen Heuerleuten zu gleichen Anteilen erworben. Noch heute sind mit den Kreyenborger Wohnhäusern Namen verbunden, die an den Dienst ihrer ehemaligen Bewohner unter den Gutsherren erinnern. "Schreiner", "Schomakers", "Kutskers", "Backsen", "Schütten", "Holtgers" waren einst herrschaftliche Tischler, Schuhmacher, Kutscher, Bäcker, Grabenaufseher (oder Schützen) und Holzarbeiter. In den Flurnamen "Langen Esk" und "Scheffers Esk" klingen noch die Namen der Hauptadelsfamilien der Burg an. Von der Gräfte ist nur noch ein Rest vorhanden. Einst umgab sie die ausgedehnteste Burganlage des Emslandes (Geppert) in einem an der Westseite abgerundeten Rechteck von 180 m : 200 m.


Wie die Kreyenborg ist ein weiterer Adelssitz der von Langen im Ortskern Lehrtes verschwunden. Claus von Langen zu Haselünne, ein Sohn Engelberts und Catharines (geb. von Clae) zu Westkreyenborg, hatte ihn um die Mitte des 16. Jahrhunderts auf einem wüsten Erbhof gegründet. "Haus Lehrte" war mit dem Zehnten von Lehrte und dem halben Zehnten von Klein Stavern belehnt. Es ging um die Wende zum 18. Jahrhundert in den Besitz der Familie von Martels zu Dankern über, die es noch 1771 besaß. 1802 wurden Teile des Adelssitzes von Heinrich Jansen, Franz Schleper, Herm. Grote und Jan Bernd Hillen aus Lehrte gekauft. Das Doppelerbe von Haus Lehrte wurde 1885 im Rezeß über die Teilung der Osterbrocksabfindung an folgende Eigner verteilt: Hermann Thalken, Bernhard Thole, Bernhard Steinkamp, Bernhard H. Winkler, Bernhard Barenkamp, Joseph Schulte, Gerhard H. Gerdes, Ww. El. Brümmer, Joh. Heinrich Droste und Heinrich Joseph Schleper. Als einziger Hinweis auf den Gutshof ist am Westrande des Hofes Schulte (Laurentiusstraße) noch ein Sandsteinbildstock erhalten geblieben. Das Steinkreuz aus dem Ende des 18. Jahrhunderts kennzeichnet außerdem die Stelle, an der sich 1893 das Kulturzentrum Lehrtes befand: eine Kapelle mit angebauter Schule. 1892 war 200 m südlich davon auf dem sogenannten Kapellenberg eine kombinierte Kapelle und Schule aus Fachwerk niedergelegt worden. Darin hatte der Pfarrer von Bokeloh bereits 1703 jährlich zu den vier Hauptfestzeiten und zum Weihefest einen Gottesdienst gehalten. Dafür hatte er aus einer Kapellenstiftung von einem Kotten Schomaker und einem Acker des Lehrter Müllers Abgaben erhalten. Erstmals wird 1613 in Lehrte eine Kapelle erwähnt, in der ein konvertierter, ehemals calvinistischer Küster unterrichtete. Jahrhundertelang hatten die Lehrter bis dahin allsonntäglich einen 5 km langen Kirchweg durch die unwegsame Haseniederung zurückgelegt und sich vor Bokeloh mit dem Fährboot über die Hase setzen lassen. Erst 1924 wurde Lehrte zusammen mit Bückelte ein selbständiger, von einem eigenen Pastor geleiteter Seelsorgebezirk in der Pfarre Bokeloh. Seit 1969 bilden beide Dörfer eine von Bokeloh unabhängige Kuratiegemeinde, die wegen Priestermangels gegenwärtig vom Haselünner Pfarrer geleitet wird.


 

In der Nebenschule auf dem Kapellenberg begannen etwa um 1770 lese- und schreibkundige, von der Kirche ausgebildete und beaufsichtigte Söhne aus dem Dorf als Schulmeister zu wirken. Nach dem Wechsel in das Jahr 1893 errichtete Schulgebäude ging die Schulaufsicht 1919 von der Kirche an den Staat über. Heute werden Grundschulkinder aus Lehrte und Bückelte in einem 1957 errichteten vierklassigen Schulgebäude unterrichtet und gehen danach auf Haselünner Schulen über. Die Vorschulkinder besuchen seit 1973 einen dorfeigenen Kindergarten.
Über die Dorfgrenze hinaus bekannt war bis in die Jahre nach dem 2. Weltkrieg die Lehrter Mühle. Sie belieferte seit Jahrhunderten neben Lehrte auch Bückelte, Haverbeck, Klosterholte, Helte und Huden mit Mehl, Kleie und Schwarzbrot. Die Mahlanlage und 2 Backöfen sind auf dem Hofe des letzten Müllers Steinkamp erhalten geblieben. Hier auf der höchsten Erhebung der Gemarkung (23 m über NN) stand bis 1927 eine Bockwindmühle. Eine "Mühle an der Hase" wird bereits als 1450 zur Kreyenborg gehörender Lehnsbesitz erwähnt.
Nach der Markenteilung (1885) erlebte Lehrte einen auffälligen Wachstumsschub. Hatten die Gehöfte bis dahin im Dorfkern auf engem Raum zusammengelegen, so setzte nun die Erschließung und Besiedlung des 437 ha großen Lehrter Feldes ein. ¾ dieser Region war mit Heide bewachsen und diente als Schafweide. Wolle und ihre Verarbeitung wurden eine wichtige Einnahmequelle. Die sich ständig vergrößernden Herden führten zu einer Überweidung und Versandung des Feldes. Da der Wind die Ackerregion mit Flugsand zuzuschütten drohte, ordnete die Regierung den Schutz der Äcker durch Sanddämmen und Aufforsten an. Wegen dieser zusätzlichen Belastung verzichteten viele Bauern auf ohnehin wertlose Sandflächen und überließen sie ihren Heuerleuten zu Spottpreisen. Die Verwendung von Kunstdünger sicherte jedoch den ersten Siedlern ihr Auskommen und ermutigte bald die Bauern selbst, immer mehr dorfnahes Ödland unter den Pflug zu nehmen. Um 1930 entstand mit Unterstützung der Niedersächsischen Siedlungsgesellschaft nach harter, entbehrungsreicher Pionierarbeit die Siedlung Lehrter Feld.


lehrte2Gasthaus Redeker

Nach dem zweiten Weltkrieg setzte in der Bauerschaft Lehrte ein bemerkenswerter Strukturwandel ein. Haseregulierung, Flurbereinigung, Kultivierung und Aussiedlung ermöglichten eine Mechanisierung der Landwirtschaft und setzten viele Arbeitskräfte frei. Die fortschreitende Industrialisierung in der Umgebung führte zu einer starken Umschichtung der Dorfbevölkerung. Waren vor dem Krieg nahezu alle Erwerbstätigen in der Landwirtschaft beschäftigt gewesen, so ging die Zahl der Landwirte so zurück, daß die gesamte landwirtschaftlich genutzte Fläche noch von 13 Vollerwerbs - und 9 Nebenerwerbsbetrieben bearbeitet wird. Über 100 sogenannte Pendler verdienen bereits außerhalb des Dorfes ihren Unterhalt. In Lehrte haben sich neben den alteingesessenen Gasthöfen inzwischen 1 Elektriker-, 1 Zimmermanns-,
1 Uhrmacher-, 1 Schlachterbetrieb-, 1 landwirtschaftliches Lohnunternehmen und 2 Klempnerbetriebe niedergelassen.
Parallel zu dem strukturellen Wandel der Bevölkerung vollzog sich ein stetiger Zuwachs:

1672:
67 Einwohner
1749:
148 Einwohner

1807:
232 Einwohner

1848:
254 Einwohner

1905:
237 Einwohner

1925:
253 Einwohner

1939:
317 Einwohner

1950:
370 Einwohner

1961:
460 Einwohner

1996:
573 Einwohner

   

Mit Rücksicht auf die Bevölkerungsentwicklung wurde 1959 das Baugebiet ,,Am Hasenöver" ausgewiesen und 1973 und 1982 erweitert. Dazu entstand in landschaftlich reizvoller Umgebung das Wochenendwohngebiet "Bummert". Beide Wohnsiedlungen zeichnen sich durch schmucke Häuser und Vorgärten aus.
Ein Markstein in der Entwicklung der ehemals weltabgeschiedenen, traditionszugewandten Bauerschaft war die Eingemeindung in die Stadt Haselünne im Jahre 1974. Seit dieser Zeit hat Lehrte einen Ortsvorsteher. Zur Zeit wird dieses Amt von Berthold Bange ausgeübt.
Die enge Verbindung zur Stadt, aber auch der erhöhte Freizeitwert des Dorfes locken immer mehr Besucher an. Zwei gepflegte Gasthöfe mit geräumigen Sälen, modernen Kegelbahnen und zahlreichen Fremdenzimmern bieten Urlauber Unterkunft und Erholung. Verträumte Winkel an der Hase sind ein Eldorado für Naturfreunde und Angler. Bootsanleger und Anleihen ermöglichen Paddlern, das idyllische Hasetal aus der Perspektive des Flusses zu entdecken. Bewegungshungrige finden ufernahe, vom Hasetalverband gepflegte Rad- und Wanderwege.
Aber auch das Dorfleben mit seinen Bräuchen ist nicht ohne Reiz. Feste wie Schützenfest, Erntedank und Sportfest, auf denen die dorfeigene Blaskapelle musiziert, lassen Dorfgemeinschaft erleben.

 

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